Das Milliardengeschenk von NRW an Goldman Sachs

Mehr Markt, weniger Staat – die Privatisierung der  Wohnungsgesellschaft LEG war eines der Prestigeprojekte der schwarz-gelben NRW-Landesregierung von Jürgen Rüttgers (CDU).

Mitte 2008 verkaufte das Land das Unternehmen an die  US-Investment-Bank Goldman Sachs. “Es ist uns gelungen, die LEG zu einem guten Preis zu veräußern”, sagte der damalige NRW-Finanzminister Helmut Linssen und heutige CDU-Bundesschatzmeister damals.

Heute ist klar: Genau das Gegenteil war der Fall . Der Preis war gut, aber nur aus Sicht des Käufers. Die nordrhein-westfälischen Steuerzahler machten ein extrem schlechtes Geschäft, wie der heutige Börsengang der LEG deutlich macht. Goldman zahlte vor fünf Jahren 787.1 Millionen Euro für die LEG – an der Börse ist das Unternehmen heute drei mal so viel wert, rund 2,3 Milliarden Euro.

In etwa genauso hoch ist laut unabhängigen Gutachten der fundamentale Wert des LEG-Immobilienbestands. Der so genannte “Net Asset Value” der LEG-Wohnungen liegt ebenfalls bei rund 2,3 Milliarden Euro.

Nun haben die neuen Eigentümer ohne Zweifel die LEG in den vergangenen fünf Jahren auf Vordermann gebracht. Die internen Strukturen und Arbeitsabläufe wurden gestrafft, und die veraltete IT modernisiert. Zudem erhöhte die LEG die Mieten, und auch die deutschen Immobilienpreise sind in den letzten fünf Jahren gestiegen. All das hat den Wert der LEG gesteigert – aber keinesfalls um 1,5 Milliarden Euro.

Hinweise darauf, dass die NRW-Landesregierung das Unternehmen weit unter Marktwert verkaufte, gab es schon vor fünf Jahren . So schrieb  der “Bonner General-Anzeiger” im Juni 2008:

“Ob der Verkaufspreis (…) angemessen war, wollten die LEG-Geschäftsführer nicht kommentieren. Beim Verkauf von 500 Wohnungen an bisherige Mieter war im vergangenen Jahr mit fast 65 000 Euro ein fast doppelt so hoher Durchschnittspreis pro Wohnung erzielt worden wie beim Verkauf des Gesamtbestands. Beide Zahlen seien nicht vergleichbar, hieß es.”

Das Milliarden-Geschenk, das die Düsseldorfer CDU/FDP-Regierung an Goldman-Sachs machte, war von Anfang an auch in den Geschäftsberichten der LEG ablesbar. Der Unterschied zwischen dem Kaufpreis und dem wahren Wert des Immobilienbestands wurde unter dem  Buchungsposten “Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung” in der Bilanz ausgewiesen.

2008 summierte sich dieser auf 1,029 Milliarden Euro und war damit größer als das Eigenkapital von 0,991 Milliarden. 2011 stellte die LEG ihre Bilanzierung vom deutschen HGB-Standard auf das international übliche IFRS-System um.

Der “Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung” verwandelte sich in Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote stieg von rund 19 Prozent auf stattliche 43 Prozent. Ein “auch im Branchenvergleich äußerst solider Wert”, wie es im 2011er-Geschäftsbericht der LEG heißt.

Zum Banken-Bashing taugt das Geschäft nicht – Goldman Sachs  war 2008 einer von mehreren Bietern und machte das höchste Gebot . Der Bank kann man keinen Vorwurf machen, dass die NRW-Landesregierung dumm genug war, es anzunehmen. Der LEG-Deal kann auch nicht als generelles Argument gegen Privatisierungen herhalten. Es gibt nach wie vor gute Argumente dafür, dass der Staat ein schlechter Unternehmer ist und nicht einer der größten Vermieter zu sein braucht.

Nur: Wenn man Staatsbesitz privatisiert, sollte man auch einen angemessenen Preis herausholen.

14 Kommentare

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14 Kommentare zu Das Milliardengeschenk von NRW an Goldman Sachs

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  2. Mike

    Grundsätzlich interessanter Artikel nur schade das es wieder in einem Partei-Bashing endet!

    • wschira

      Wo soll der Artikel denn sonst enden? Schliesslich sind doch Parteien für diese Verschleuderung von Volksvermögen verantwortlich!

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  4. Lesefuchs

    Ich frage mich sowieso mit welchem Recht kurzzeitig gewählte “Volksvertreter” vom Volk erarbeitete und mit Steuergeldern bezahlte Güter nach Gutdünken verkaufen können! Solange diese Grundsatzfrage nicht geklärt ist, werden uns die Regierungen alles rauben. Es muss das grundsätzlich Recht her, dass die Dinge die mit Steuergeldern bezahlt wurden auch denen gehören die sie bezahlt haben und ein Verkauf nur mit Zustimmung aller erfolgen darf. Wenn das so weiter geht, werden wir eines Tages Maut auf Bürgersteige, auf Fußgängerbrücken und für die geatmete Luft auch noch bezahlen. Viele wissen es nicht. Eine der ersten Maßnahmen nach der Wende war die Abschaffung des Artikels 12 der DDR Verfassung. Warum wohl?
    Artikel 12
    1 Die Bodenschätze, die Bergwerke, Kraftwerke, Talsperren und großen Gewässer, die Naturreichtümer des Festlandssockels, Industriebetriebe, Banken und Versicherungseinrichtungen, die volkseigenen Güter, die Verkehrswege, die Transportmittel der Eisenbahn, die Seeschiffahrt sowie der Luftfahrt, die Post- und Fernmeldeanlagen sind Volkseigentum. Privateigentum daran ist unzulässig.

  5. Satch

    Parteienbashing? Gibt es einen vernünftigen Grund, warum man diejenigen, die diesen Mist gebaut haben, nicht beim Namen nennen sollte? Und, seit wann ist das Benennen von Verantwortlichen denn Bashing?

  6. S. Döring

    Hallo!
    ist das ein Sinn entstellender Fehler?
    M. E. fehlt hier “unter” in
    Hinweise darauf, dass die NRW-Landesregierung das Unternehmen weit “unter” Marktwert verkaufte, gab es schon vor fünf Jahren . So schrieb der “Bonner General-Anzeiger” im Juni 2008:
    MfG
    SDö
    P.S. W oist das Impressum? Ich hätte lieber direkt eine eMail geschickt.
    SDö.

  7. R. Rüttermann

    Hallo,
    Sie haben leider nicht geschrieben, dass Herr Linssen die Verträge so
    gestalten ließ, dass keine oder nur eine geringe Grunderwerbssteuer anfiel.

  8. grafiksammler

    Das ist ein weiterer Beweis, dass die CDU/FDP genau so schlecht mit Geld umgehen kann wie die SPD/Grünen. Solange Politiker nicht haften und auch strafrechtlich nicht zur Verantwortung wg. Verschleuderung von Volkseigentum gezogen werden, wird das so weitergehen. Nur sollten die CDU-Anhänger nie mehr der SPD vorwerfen, sie könne alleine nicht mit Geld umgehen.

  9. Michael

    Sei es nun Unfaehigkeit oder Kumpanei, die Liste solcher Vorkommnisse ist unendlich lang. Daran wird sich in Zukunft auch nichts aendern, wenn man die Verantwortung fuer solche offensichtlichen Fehlentscheidungen nicht personalisiert oder wie oben vorgeschlagen, die Waehler darueber abstimmen laesst, also ein eher plebiszitaeres Element a la Schweiz einfuehrt. Dann wird es fuer fuer den Kapitalstandort Deutschland allerdings erheblich schwerer, man haette dafuer dann allerdings mehr “Demokratie”. Im alten Athen war es ueblich, dass diejenigen, die der Deme oder der Polis vorstanden, Rechenschaft abzulegen hatten.Konnten Sie das nicht, hatte das die entsprechenden Konsequenzen wie Verbannung,Aechtung oder den Giftbecher. Kann man sich einen Herrn Linsen vor versammelter Buergerschaft NRWs vorstellen, allein da stehend, Rede und Antwort gebend, sich der moeglichen Konsequenzen bewusst seiend?

  10. Die Geschichte sieht möglicherweise undramatischer aus, wenn man die Preisentwicklung der LEG mit ähnlichen Unternehmen in diesem Zeitraum vergleicht. So ist die Aktie der “DEUTSCHE WOHNEN AG” im gleichen Zeitraum ebenfalls um über 200% gestiegen (wobei hier der genaue Einstiegszeitraum einen großen Unterschied macht), ähnliches gilt auch für andere deutsche Wohnungsbaugesellschaften.
    http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ID_OSI=13806124&PERIOD=6#chart

  11. Sven

    “Es gibt nach wie vor gute Argumente dafür, dass der Staat ein schlechter Unternehmer ist…” – Gibt es da einen Beleg der diese Feststellung in die Nähe einer Naturgesetzmäßigkeit rückt? Was ist mit Enron, Quelle, Bankenkrise? Meines Wissens gibt es keine valide Untersuchung, welche eindeutig belegt, dass entweder staatliche oder private Unternehmen immer auf der richtigen Seite liegen. Ich laß mich da aber gerne belehren.

    Zu der Veräußerung: wie anders sollen denn beständig hohe Renditen erwirtschaftet werden, wenn nicht mit solcher Art von Geschäften? Von Gewinnen monopolartiger Unternehmen oder zeitlich befristeten Hype-Produkten mal abgesehen.

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